Happy Hoffmann!

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Im Jahr 2026 feiert der großartige E.T.A. Hoffmann seinen 250. Geburtstag. Doch wer steckt eigentlich hinter diesem geheimnisvollen Namen?
In diesem Blogartikel schauen wir auf die wichtigsten Momente in seinem Leben:
🌱 Ernst Theodor Wilhelm kommt am 24. Januar 1776 in Königsberg zur Welt. Doch beim eigentlichen Kürzel „E.T.W.“ bleibt es nicht: Aus Bewunderung für Mozart ändert er seinen dritten Vornamen in „Amadeus“. So entstand der heute bekannte Name „E.T.A. Hoffmann“.
🎼 Ein Multitalent wie ihn trifft man nicht alle Tage: Hoffmann ist nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller der Romantik, sondern setzt sich mit der Oper Undine (1816) auch ein musikalisches Denkmal.
🖌️ Gelegentlich zeichnet er freche Karikaturen, um sich über preußische Beamte lustig zu machen – und über sich selbst.
💼 Ähnlich wie Kafka, steht auch Hoffmann unter dem Druck, Beruf & Kunst unter einen Hut zu bekommen. Ihm gelingt es aber deutlich entspannter als Kafka: „(I)ch studiere mit erstaunenswürdiger Emsigkeit die trockensten Dinge – begrabe mich in Akten“, erzählt er seinem besten Freund Hippel. (1) Er ist Jurist und gut in seinem Job: Immer wieder loben seine Vorgesetzten seine Leistung. Weiß der Teufel, wie Hoffmann es trotzdem fertigbringt, genug Zeit zum Schreiben und Musizieren freizuschaufeln!
🚀 Obwohl er seit seiner Jugend vom Künstlerleben träumt, ist er ein Spätzünder – erst mit Ende 30 zeigt er, was musikalisch und literarisch in ihm steckt.
🖤 Hoffmann liebt das Rätselhafte, Dunkle, den unwiderstehlichen Sog in Abgründe: Mit seinen unheimlichen Stoffen ist Hoffmann ein wichtiger Wegbereiter der modernen fantastischen Literatur.
📚 Sein erfolgreichstes Werk ist das Märchen „Der goldene Topf“ (1814) – aber in seinem überaus breiten Portfolio findet jede/r Leser/in einen persönlichen Favorit: Für mich steht beispielsweise die Erzählung „Der Sandmann“ (1816) ganz weit oben, in dem die Hauptfigur Nathanael den schrecklichen Sandmann aus seiner Kindheit wiedertrifft – und in einem rasanten Wahn buchstäblich in den Abgrund getrieben wird.
🌟 Was ich an E.T.A. Hoffmann besonders mag, ist seine Empfindsamkeit: Wie kein anderer vermag er es, seine beklemmenden Ängste mit Witz, feiner Ironie und kulturellem Anspruch zu verbinden.
🕵️♂️ Auch der erste deutsche Krimi stammt aus Hoffmanns Feder: „Das Fräulein von Scuderi“ (1819) beschreibt die Aufklärung einer höchst rätselhaften Mordserie in Paris. Ein Tipp für alle Krimi-Fans!
👀 Doch wie sieht er eigentlich aus? Johann Ludwig Tieck beschreibt ihn nach einem Treffen so: „Hoffmann war eine merkwürdige Erscheinung, ein kleines unruhiges Männchen mit dem beweglichsten Mienenspiel und stechenden Augen. Er hatte etwas Unheimliches.“ (2)
👣👶 Seine Biographie beginnt unter Herausforderungen, die sein Leben lang nicht abreißen: Da seine Eltern sich früh trennen, wächst er bei seinem Onkel, dem behäbigen „Bratenschnapper“ Otto, und einer alles kontrollierenden Großmutter auf.
💍 Auch später, im Liebesleben, klappt es nicht besonders: Hoffmann findet sich hässlich und verliebt sich zweimal „unsterblich“ in seine Musikschülerinnen: zuerst in Dora, die sechsfache Mutter und verheiratet ist, später in die blutjunge Julia. Die Gesellschaft ist empört, doch ihm ist gar nichts peinlich. Schließlich heiratet er die Polin Mischa, doch ihre Ehe plätschert eher vor sich hin.
🔥 Allem Schicksal zum Trotz – abgewiesene Liebe, Geldnot, juristische Scherereien – die Musik und Literatur holen ihn immer wieder aus seinen düsteren Momenten heraus. Besonders genießt er es, bei Punsch-Abenden mit Freunden über Literatur zu debattieren und Texte vorzulesen. An warmen Sommerabenden setzt er sich ans Klavier, öffnet weit die Fenster und lässt herrliche Melodien durch die Gassen schweben.
🥂 Dass Hoffmann trinkt, ist kein Geheimnis. Als er mit 46 Jahren stirbt, hat er bei seinem Wirt eine offene Rechnung von 1.116 Reichstalern.
Eine Anekdote zum Schluss: Hoffmann war mit dem Schauspieler Ludwig Devrient befreundet, dem Erfinder des Worts „Sekt“! Und das entstand so: Nach einer Vorstellung des Falstaff kam Devrient in sein Stammlokal und rief, noch ganz in seiner Rolle: „Bring Er mir Sekt, Schurke!“ – Bei Shakespeare war damit Sherry gemeint, aber Devrient bekam, wie immer, sein Standardgetränk serviert: einen Schaumwein. Die Presse machte diesen Versprecher bekannt und ab 1870 verbreitete sich in der Berliner Szene das Wort „Sect“ für deutschen, moussierenden Wein.
Also dann: Prost! Auf unser Geburtstagskind! Und auf 250 Jahre voller Literaturgenuss.
Zitiert nach:
(1) Safranski, Rüdiger: „E.T.A. Hoffmann. Das Leben eines skeptischen Phantasten.“ Frankfurt am Main, 2018. S. 109.
(2) Ebenda, S. 353.
Meine intertextuellen Krimis, in denen Hoffmanns Meisterwerke eine versteckte Hauptrolle spielen:

Teil 1:
„Düstere Träume“: Edersee-Krimi trifft Sandmann.

Teil 2:
„Nachts in Atlantis“: Anselmus‘ Sehnsuchtsort Atlantis liegt im Herzen Deutschlands, wo sich der aufgestaute Edersee leert und ein längst vergessenes Verbrechen ans Licht spült …
Bei Hoffmann zu Hause
Wenn du gern literarisch reist, besuche doch einmal das Hoffmann-Haus in Bamberg. Dort lebte E.T.A. Hoffmann ungefähr fünf Jahre – als frischgebackener, stolzer Musikdirektor.
Freu dich auf eine musikalisch-literarische Entdeckungstour mit vielen Überraschungen und einem kleinen Garten, der an den phantastischen Zaubergarten des Archivarius Lindhorst aus „Der goldene Topf“ erinnert.
Aktuell wird das Museum saniert und soll 2027 in neuem Glanz eröffnen.
Mehr Informationen findest du hier:
https://museum.bamberg.de/eta-hoffmann-haus/
